© Massimo Demma - Notarbartolo di Sciara / Demma Guida ai Mammiferi Marini del Mediterraneo Franco Muzzio Editore 1997, Padoua, Italien
Pottwal


Wissenschaftlicher Name

Physeter macrocephalus

Allgemeines
Der Pottwal ist dunkelgrau bis dunkelbraun gefärbt mit einem hellgrauen Fleck am Bauch. Die Haut ist meist faltig und kann bei älteren Männchen besonders im Kopfbereich viele Narben aufweisen.

In der riesigen Stirnhöhle sitzt das so genannte Spermaceti-Organ. Es handelt sich dabei um ein Wachskissen, dessen Gewicht der Pottwal durch Erwärmen oder Abkühlen verändern kann. Vor dem Abtauchen kühlt der Pottwal das Wachs (auch Walrat genannt) durch kaltes Meerwasser im Nasengang ab, so dass es schwerer wird, vor dem Auftauchen erwärmt er es mit Hilfe von Blutgefäßen wieder und erleichtert sich dadurch das Aufsteigen an die Oberfläche.

Wie alle Zahnwale besitzt der Pottwal nur ein Blasloch, das nach links versetzt ist und nahe an der Vorderseite des Kopfes liegt. Der Blas ist buschig und wegen der Lage des Blaslochs nach links vorne gerichtet.

In seinem Unterkiefer sitzen dicke, konische Zähne, die bis zu 20 cm lang werden können. Männliche Pottwale besitzen mehr und größere Zähne als Weibchen, etwa 36 bis 50 Stück stecken in dem langen, schmalen Unterkiefer. Im Oberkiefer sitzen winzige Zähne, die nicht gebraucht werden und deshalb meist im Zahnfleisch versteckt sind.

Die Flipper des Pottwals sind klein und paddelförmig, die Finne ist nur als kleine Erhebung vorhanden und ein Buckelkamm läuft entlang der Rückenlinie bis zur dreieckigen Fluke.









Blauwal
Buckelwal
Chin. Flussdelfin
Pottwal
Schweinswal
Großer Tümmler
 


Länge

Ausgewachsene Männchen (sie werden bei den Pottwalen größer als die Weibchen) werden 15 bis 18 Meter lang, weibliche Tiere 11 bis 12 Meter, Kälber messen 3,5 bis 4,5 Meter.

Gewicht
Ein ausgewachsener Pottwal kann zwischen 20 und 50 Tonnen auf die Waage bringen, neugeborene Kälber wiegen bereits eine Tonne.

Sozialleben
Weibliche Pottwale und ihr Nachwuchs bilden eigene Gruppen, die die Männchen im Alter von etwa 7 bis 27 Jahren verlassen, um in eigenen Zusammenschlüssen zu ziehen. Ältere Männchen leben häufig allein und schließen sich nur in der Paarungszeit den weiblichen Tieren an.

Was frisst der Pottwal?
Der Pottwal ernährt sich hauptsächlich von Kalmaren, aber auch Fischen und Krebsen, wie Garnelen. Die sagenumwobenen Riesenkraken stehen wahrscheinlich nicht so oft auf dem Speiseplan, gehören aber auch zum gern genutzten Nahrungsangebot. In Pottwalmägen wurden Reste von Tintenfischen gefunden, die zehn Meter lang gewesen sein müssen. Die Kämpfe mit diesen Tieren sind für die runden Saugnapf-Narben am Kopf vieler Pottwale verantwortlich.

Wo kommt der Pottwal vor?
Der Pottwal kann im Atlantik, im Pazifik und im Indischen Ozean angetroffen werden, aber nicht in der Arktis. In großen Gruppen tritt er - v.a. die weiblichen Tiere - nur in den Tropen und Subtropen auf. Er lebt in tieferen Gewässern und ist deshalb ein Bewohner der Hochsee, allerdings ist er auch in Küstennähe zu finden, wenn das Wasser dort rasch an Tiefe gewinnt (wie z.B. im Ligurischen Meer zwischen den Küsten von Frankreich, Monaco, Italien und Korsika).

Pottwal in Not!
Walfänger machten in der Vergangenheit v.a. Jagd auf die größeren Männchen, so dass heute in den verbliebenen Populationen ein Ungleichgewicht zwischen den Geschlechtern besteht. Aktuellen Forschungsergebnissen zufolge gibt es weit weniger Pottwale in unseren Meeren als bislang angenommen, man geht von etwa 360.000 Tieren aus, einem Fünftel der lange angenommenen Zahl. In der Gegenwart sind Pottwale vor allem durch Fischernetze bedroht, in denen sie sich verfangen und als unfreiwilliger Beifang enden. Außerdem kann der zunehmende Verkehr auf den Weltmeeren zu Kollisionen mit Schiffen führen.

Hilfe für den Pottwal
Die Wal- und Delfinschutzorganisation WDCS unterstützt ein spannendes Forschungsprojekt, mit dem noch mehr über das Familienleben des Pottwals, seine Kommunikation und seine Klick-Laute herausgefunden werden soll. Dieses Wissen erlaubt uns, mehr über die Ansprüche von Pottwalen an ihren Lebensraum zu erfahren und konkrete Maßnahmen für ihren Schutz zu entwickeln.

Faszinierendes und Spannendes in Kürze

  • Der beste Taucher: Die Suche nach Tintenfischen führt den Pottwal regelmäßig in große Tiefen. Dabei werden regelmäßig Tauchtiefen von 350 Meter überschritten. Die Tauchgänge können bis in eine Tiefe von 2.000 Meter führen (manche Forschungsergebnisse sprechen sogar für Tiefen von bis zu 3.000 Metern), ein Tauchgang dauert bis zu 60 Minuten (im Maximalfall auch bis zu zwei Stunden). Bevor der Pottwal abtaucht, streckt er die Fluke hoch in die Luft und gleitet anschließend fast senkrecht in die Tiefe. Oft taucht der Pottwal an derselben Stelle wieder auf.
  • Das schwerste Gehirn: Der Pottwal besitzt das schwerste Gehirn im gesamten Tierreich. Es wiegt mehr als 9 Kilogramm.
  • Das Spermaceti-Organ im Kopf, das der Pottwal beim Tauchen benötigt, sitzt in einem Hohlraum, der so groß ist, dass ein Auto darin Platz hätte.
  • Dank des Romans "Moby Dick" von Herman Melville gehört der Pottwal zu den bekanntesten Vertretern der Großwale.
  • Der Pottwal kam durch den Vergleich seines Kopfes mit einem Topf (im Norddeutschen: Pott) zu seinem deutschen Namen.
  • Im Mittelalter hielt man das im Kopf befindliche Walrat für den männlichen Samen, weil es an der Luft eine weiße, wachsartige Farbe annimmt. Von diesem Irrglauben leitet sich auch der Name Spermaceti-Organ ab. Im Englischen heißt der Pottwal auch heute noch "Sperm whale".

Webtipp
Mehr Informationen zu weiteren Wal- und Delfinarten:
www.wdcs-de.org

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