Gerichtliche Auseinandersetzung über Einsatz von Sonar

Ein US-Gericht hat im Rahmen einer großen Militärübung, die zurzeit vor Hawaii stattfindet, Beschränkungen für den Einsatz von mittelfrequentem Sonar festgesetzt, das eine Bedrohung für Wale und Delfine darstellt.  

Der National Resources Defence Council (NRDC) und andere amerikanische Umweltschutzorganisationen haben mit Erfolg ein temporäres Verbot gegen des Einsatz von mittelfrequentem Sonar im Zuge der Militärübungen (RIMPAC – "Rim of the Pacific" Exercise), die momentan in den Gewässern vor Hawaii durchgeführt werden, erwirkt. Dies bedeutet, dass für 10 Gerichtstage kein Sonar eingesetzt werden darf. Dann wird eine Anhörung stattfinden oder eine andere Form der Vereinbarung zustande kommen, um sich über angemessene Maßnahmen zur Verminderung von negativen Auswirkungen auf Wale und Delfine zu einigen.

Vergangene Woche wurde die US Navy für einen Zeitraum von sechs Monaten vom "Marine Mammal Protection Act (MMPA)" ausgenommen. Das temporäre Verbot des Einsatzes von mittelfrequentem Sonar wurde jedoch unter einem anderen Teil der US-Umweltgesetzgebung erteilt, dem National Environmental Policy Act (NEPA).

Die militärische Übung findet in einem 210.000 km2 großen Meeresgebiet in der Nähe des  Northwestern Hawaiian Islands Marine National Monument statt – einem Schutzgebiet, das erst vor zwei Wochen von US-Präsident Bush geschaffen wurde. Unter den teilnehmenden Staaten der RIMPAC-Übung sind auch Australien, Kanada, Chile, Japan, Korea, Peru und Großbritannien.

Die Klage war vom NRDC und anderen amerikanischen Umweltschutzgruppen eingereicht worden, nachdem die Navy Bitten um eine sichere Lösung des Problems ignoriert hatte und mit ihren Plänen für den Sonareinsatz des alle zwei Jahre stattfindenden RIMPAC-Manövers vorangeschritten war. Hochintensives, mittelfrequentes Sonar ist eine Technologie, die in direkten Zusammenhang mit Massenstrandungen von Meeressäugern gebracht wird.

Zahlreiche Massenstrandungen und Todesfälle sind mit dem Einsatz von Sonarsystemen in Verbindung gebracht worden, darunter Vorfälle in Hawaii, dem Staate Washington, North Carolina, den Kanarischen Inseln und den Bahamas. Wale, die hochintensivem Sonar ausgesetzt waren, wurden aus Augen und Ohren blutend sowie mit Verletzungen ihres Organgewebes aufgefunden. Biologen zeigen sich besorgt, dass Wale, welche auf Stränden sterbend gefunden werden, nur die Spitze des Eisbergs sein könnten, und viele mehr auf See sterben und zu Boden sinken.

"Wale und andere Meeressäuger sollen nicht aufgrund von Übungen sterben müssen", erklärte Joel Reynolds vom NRDC. „Die Navy hat mehr als genug Raum auf den Ozeanen zur Verfügung, um zu trainieren ohne bedrohte Wale und andere Meereslebewesen zu verletzen oder zu töten. Wenn sich die Navy entschließt, Kriegsspiele inmitten eines der reichsten Unterwasser-Lebensräume auf der Erde durchzuführen, ist sie rechtlich verpflichtend, mit gesundem Menschenverstand einfache Schritte zu unternehmen, um dieses Ökosystem zu schützen.

Vorsorgemaßnahmen, die vom NRDC ausgearbeitet und von der Navy als nicht akzeptabel zurückgewiesen wurden, beinhalten eine zu jeder Zeit größere Sicherheitszone um die Sonarquelle, wie sie die Navy auch für andere Sonarsysteme verwendet; die Reduzierung der Sonarstärke bei Nacht oder zu anderen Zeiten, bei der die Sicht des Aufklärungsgerätes eingeschränkt ist; und Gebiete zu meiden, welche in oder nahe wichtigen Meeressäugergebieten wie Kinderstuben, Nahrungsgebiete und Wanderrouten liegen.

Während der letzten RIMPAC-Übung im Jahre 2004 strandete eine Gruppe von Breitschnabel-Delfinen in der Bucht von Hanalei auf der Insel Kauai nach einer Sonar-Übung. Nach diesem Vorfall gingen der NRDC und andere Organisationen wegen der notwendigen Planungen, Prüfungen und Vorkehrungsmaßnahmen auf die Navy zu, um weitere Strandungen zu vermeiden. Die Einreichung der Klage des NRDC diese Woche folgte auf die Ablehnung der Navy, adäquate Schutzmaßnahmen zu ergreifen oder sich rechtlich gesicherte Genehmigungen und Prüfungen zu besorgen.

Die WDCS hat an die US-Regierung geschrieben und fordert von allen, in die RIMPAC-Übung involvierten Staaten, strenge Maßnahmen für den Schutz von Walen und Delfinen.

Mehr Informationen erhalten Sie auf der Homepage der NRDC: www.nrdc.org

Quelle: WDCS/NRDC