Neue Sorge um Auswirkungen von Lärmverschmutzung

Töne sind für Wale und Delfine von großer Bedeutung. Wissenschaftler, Regierungen und Umweltschutzorganisationen machen sich immer größere Sorgen über die Auswirkungen von intensivem Militärsonar und anderem industriellen Lärm auf marine Wildtiere.

Schiffe, Rohstoffgewinnung, Konstruktionsarbeiten und marine Manöver füllen unsere Ozeane mit Lärm. Wale und Delfine verwenden Töne, um sich zu orientieren, zu kommunizieren und zu jagen. Sie müssen in dieser lauten Umgebung überleben.

Im Februar 2006 veröffentlichte das “Inter-agencies Committee on Marine Science and Technology” einen Bericht, der darauf hinweist, dass die britische Regierung Forschung über die Auswirkungen von Lärm auf Meeressäugetiere in Auftrag geben sollte.

Im dem Bericht werden 13 Fälle von Wal- und Delfinstrandungen identifiziert, die möglicherweise mit spezieller Lärmverschmutzung in Verbindung stehen, vor allem von Schiffen.

Beweismaterial, das von post-mortem Untersuchungen an einigen Walen stammt, die während Militärmanöver auf den Kanarischen Inseln vor vier Jahren gestrandet sind, weisen darauf hin, dass sich in den Organen der Tiere Gasblasen entwickelt haben. Wissenschaftler glauben, dass diese mit intensivem Militärlärm in Verbindung stehen.

Diese Beweise haben sich in Untersuchungen ähnlicher Strandungen in den letzten Jahren erhärtet. Bei der aktuellsten Strandung im Januar 2006 starben vier Cuvier-Schnabelwale in Almeria in Südspanien – zeitgleich waren Militärschiffe unterwegs. Die pathologischen Funde zeigten, dass alle vier Tiere Gasbläschen und Fettembolien aufwiesen – wie auch schon bei früheren Strandungen gefunden wurde.

Wissenschaftler rufen zu mehr Forschungsarbeit auf, um die Auswirkungen von Lärm weiter zu studieren.

Ein Sprecher der WDCS kommentiert: “Wir begrüßen das steigende Interesse der Wissenschaftler an Lärmverschmutzung im Meer und stimmen zu, dass es sich um ein ernstes Thema handelt. Wir haben jedoch ernsthafte Bedenken in Bezug auf jegliche Pläne, Wale und Delfine lauten Tönen auszusetzen, um zu sehen, wie sie reagieren. Denn dies bedeutet einen weiteren Lärmeintrag in die Ozeane. Eine derartige Forschung kann nur kurzfristige Auswirkungen untersuchen. Stress und Unbehagen sind zu erwartende Reaktionen, die Bandbreite der möglichen Auswirkungen auf die einzelnen Tiere ist jedoch schwierig, wenn nicht sogar unmöglich zu studieren.“

Der WDCS-Aktionsplan zu Lärmverschmutzung ruft zu einer “sanfteren” Forschung auf, inklusive mehr Untersuchungen über die weltweit auftretenden Strandungen. Auch rufen wir Akustikexperten weltweit dazu auf, ihre Arbeit zu koordinieren und die Störung und den Stress, der für die Tiere entstehen kann, zu minimieren.

Quelle: BBC News Online/WDCS