Schnabelwalstrandung
in Spanien in Verbindung mit militärischen Manövern?
Ende
Januar 2006 strandeten mehrere Cuvier-Schnabelwale an der südspanischen
Küste. Alle Meeressäuger starben innerhalb weniger Stunden.
Strandungen lebender Schnabelwale sind sehr selten.
Massenstrandungen,
vor allem von Schnabelwalen, standen bislang mehrfach in direktem
Zusammenhang mit der Durchführung militärischer Manöver,
und dem Einsatzes aktiver Sonarsysteme. Es könnte auch diesmal
durchaus der Fall sein, dass die Strandung mit militärischen
Manövern, die zeitgleich im Mittelmeer abgehalten wurden, in
Zusammenhang stehen.
Die
WDCS und OceanCare fordern die spanische Regierung und die europäischen
Militärs auf, für eine lückenlose Aufklärung
der Ursache für die Strandungen zu sorgen.
Was
war geschehen?
Am
Abend des 26. Januars 2006 strandeten zwei lebende Schnabelwale
in der Nähe von Mojacar, an der spanischen Südostküste.
Die Tiere verendeten kurze Zeit später. Ein dritter Schnabelwal
wurde am folgenden Tag tot etwa 5 Kilometer entfernt aufgefunden.
Ein vierter Schnabelwal wurde nur wenig später entdeckt. Eines
der Weibchen hatte Milch in der Brust, was darauf hindeutet, dass
ein Kalb seine Mutter verloren und vermutlich auch wenig Überlebenschancen
hat.
Experten,
darunter Antonio Fernandez von der Universität Las Palmas auf
Gran Canaria, sind vor Ort um die toten Tiere zu untersuchen.
Hintergründe:
Lärm
stresst. Das Meer wird immer lauter und der Lärm stammt aus
unterschiedlichsten Quellen: Schiffsmotoren, Ölplattformen,
seismische Tests, akustische Scheuchvorrichtungen, Freizeitanlagen,
Windparks auf offenem Meer und nicht zuletzt vom Militär. Längst
ist der Lärm unter Wasser auch in internationalen Foren zum
brisanten Thema geworden. Die Mitgliedstaaten von ACCOBAMS, dem
Abkommen zum Schutz von Walen und Delfinen im Mittelmeer und Schwarzen
Meer, haben bei der letzten Vertragsstaatenkonferenz 2004 eine Resolution
verabschiedet, die die strikte Regelung und Reduzierung des Lärms
fordert.
Auch die Vereinten Nationen befassen sich mit der Problematik.
"Da
der Unterwasserlärm grenzüberschreitend ist, haben wir
von der UNO eine internationale Task Force gefordert, die sich mit
diesem Problem befasst und sich einer internationalen Regulierung
des Unterwasserlärms annimmt" sagt Sigrid Lüber,
Präsidentin von OceanCare und Leiterin der Europäischen
Koalition für lärmfreie Ozeane (ECSO) "In den letzten
60 Jahren hat sich der Lärmpegel in den Meeren jedes Jahrzehnt
verdoppelt." führt sie aus und fordert eine drastische
Einschränkung des Unterwasserlärms. "Wale und Delfine
können ihre empfindlichen Hörorgane nicht schützen,
so wie wir Menschen uns die Ohren zuhalten können. Sie sind
den Lärmangriffen in allen Weltmeeren hilflos ausgeliefert."
gibt sie anschaulich zu bedenken.
Auch
Deutschland setzt auf seinen Schiffen Sonaranlagen ein, die Walen
und Delfinen gefährlich werden können. Auf Grundlage des
kürzlich in Kraft getretenen Umweltinformationsgesetzes (UIG)
hat die WDCS Anfang Dezember 2005 einen Antrag auf Akteneinsicht
beim Verteidigungsministerium gestellt. Dieser Antrag wurde Anfang
Januar 2006 abgelehnt. Das Verteidigungsministerium berief sich
bei der Begründing auf §8 des UIG und erklärte, die
nationale Sicherheit sei gefährdet. Dieser Standpunkt ist grundsätzlich
berechtigt, solange das Interesse der Öffentlichkeit an der
Bekanntgabe der Informationen nicht überwiegt. "Aber wer
sagt, was öffentliches Interesse ist?", sinniert Dr. Karsten
Brensing, Experte der WDCS. "Wir sind der Meinung, dass das
Europäische Parlament als gewählte Vertretung aller Europäer
diese Öffentlichkeit repräsentiert und so haben wir in
unserem Schreiben auf eine entsprechende parlamentarische Resolution
verwiesen. Darin fordert das EU Parlament die Mitgliedstaaten auf,
Daten zu Walstrandungen mit möglicherweise menschlicher Ursache
öffentlich zugänglich zu machen, und den Einsatz von Militärsonarsystem
zu reduzieren, bis eine schädliche Wirkung auf Wale ausgeschlossen
werden kann." führt Brensing aus. "Wale sind nicht
Eigentum von Regierungen und die Öffentlichkeit hat sehr wohl
ein Recht darauf zu erfahren, in wie weit Aktivitäten der Bundeswehr
die Meeressäuger gefährden. Die Vorfälle in Spanien
zeigen, wie wichtig es ist, zu wissen wo und wann Sonargeräte
zum Einsatz kommen, denn nur so kann ein Zusammenhang überhaupt
erst festgestellt werden." fügt Brensing von der WDCS
hinzu.
Bildmaterial
bereitgestellt von: Indalo de Oz Naturalist Team; indalodeoz@indalodeoz.com
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